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Dödstädning und Magic Cleaning: Possession Detox und Horkruxe, Teil 2

21. November 2017

Im ersten Teil von „Dödstädning und Magic Cleaning: Was ist dran an den Minimalismus-Trends?“ ging es darum, was es gerade für Trends hinsichtlich eines einfacheren Lebensstils gibt. Im zweiten Teil erzähle ich euch, wie ich zeitweise mein Konsumverhalten unterbrochen habe und wie sich das auf meinen Alltag und mein zukünftiges Kaufverhalten ausgewirkt hat.

Im Netz wird gerade der Minimalismus inflationär gebraucht, um ein Lebensgefühl der Überforderung zu beschreiben. Allerdings sind nur die wenigsten in der Lage, sich wirklich dauerhaft einzuschränken. Deshalb geht es in diesem Artikel darum, was man kurzfristig tun kann, um auszutesten, ob der minimalistische Lifestyle zu einem passt.

Unsere Gegenstände sind wie Horkruxe

Zuerst aber die Frage: Warum sammeln wir eigentlich so viel Zeug an? Warum ist eine echte, dauerhafte Einschränkung so schwer? Sind unsere Gegenstände wie Horkruxe*, in die wir Teile unserer Erinnerungen einlagern, um nicht ständig damit beschäftigen zu sein und wieder Platz auf der Festplatte zu haben? Lohnt es sich, an Erinnerungen so krampfhaft festzuhalten?

Teilweise lässt sich dieser Zustand mit dem Diderot-Effekt erklären. Der Diderot-Effekt besagt, dass Käufe weitere Käufe nach sich ziehen. So wirklich kauffrei können nur wenige leben. Ich sehe eine Teilschuld in der großen Vielfalt an Stilen und die damit verbundene Frage, welches Bild wir nach außen hin abgeben wollen oder sollen, um Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren. Da in dieser schnellen Welt aber auch Stile sich schnell ändern, müssen wir, um mitzuhalten, uns diesem Wechsel unterwerfen. Das nennt man dann Mode.

Was meinen eigenen Besitz betrifft, so fühlt sich mein Hausstand zu groß an. Was aber daran liegt, dass ich neben 2 Nähmaschinen (die eine näht, die andere kann Knopflöcher machen) auch ein Stoff- und Materiallager habe. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, mich davon zu trennen.

Meine Küche habe ich vor einem Jahr gründlich entrümpelt, die Neukäufe hielten sich bisher auch in Grenzen. Bücher bewahre ich nur wenige auf, meistens lese ich sie und verkaufe oder verschenke sie dann weiter mit Ausnahmen von wirklich wichtigen Nachschlagewerken oder Lieblingsbüchern. Dazu gibt es im nächsten Blog-Post mehr.

Und was die Erinnerungen betrifft, so verlasse ich ich darauf, dass mein Hirn mir die wichtigsten Dinge in schönster Verklärung abspeichert. Und wenn nicht, dann war die Erinnerung vielleicht nicht wichtig genug.

Possession Detox auf Zeit

Wenn Du dich überfordert fühlst, habe ich hier ein kleines Experiment für dich, das ich selbst einmal für ein paar Wochen ausprobiert habe. Es hat für diesen Zeitraum mein Konsumverhalten stark verändert, war auf Dauer aber nicht durchführbar und deshalb empfehle ich es als eine Art Kur. Die Formel dafür lautet:

 

„Für jedes Teil, das ich neu anschaffe, muss ich mich von einem anderen trennen.“

 

Davon ausgeschlossen sind Dinge die verbraucht werden wie etwa Lebensmittel. Es regt zum Nachdenken an, wenn man einen neuen Radiergummi bracht, dafür aber dann ein Buch oder einen noch größeren Gegenstand weggeben muss. Es lohnt sich sehr, dieses Experiment einmal selbst durchzuführen. Mich hat es nach einigen Wochen wirklich an meine Grenze gebracht. Ich konnte nicht mehr zu Modulor gehen und mich dort inspirieren lassen, weil ich ständig darüber nachdenken musste, was ich dafür hergeben werde, wenn ich dieses Skizzenbuch mitnehme. Andererseits ist mir klar geworden, dass ich grundsätzlich jemand bin, der alles Mögliche auf Vorrat kauft. Vom Backpulver bis zum Washi-Tape.

Deshalb empfehle ich diese Methode nur als eine Art Kur, ein „possession detox“, der kurzfristig den Überkonsum stoppt und langfristig hoffentlich zu einem Umdenken führt.

Digitalen Schrott aufräumen

Bei allen Methoden, die ich im ersten Teil und in diesem zweiten Teil angerissen habe, wird allerdings eine Sache etwas vernachlässigt: unser digitaler Besitz.

Sowohl beim prä-letalen Aufräumen nach Magnusson (Dödstädning) als auch bei Kondos magischem Säubern sollte dieser bedacht werden. Dazu gehören etwa die viel zu vielen Apps auf deinem Smartphone, die du eh kaum nutzt, also weg damit. Auch Bilder haben wir meistens zu viel. Da ich Instagram nutze, frisst mein visuelles Storytelling einen bedeutenden Teil meines Speicherplatzes. Deshalb lösche ich alles so schnell es geht wieder.

Ich erwähne das an dieser Stelle, weil eine vor einigen Jahren verstorbene Bekannte dies nicht berücksichtig hat, weshalb ihre Profile nach wie vor online sind. Inklusive aller Kommentare. Das juckt sie im Jenseits wahrscheinlich sehr wenig, aber ihrer Familie bereitet es vermutlich Unbehagen, keine Hoheit über ihren digitalen Nachlass zu haben.

Im Sinne von Margarete Magnussons Dödstädning: Minimiert auch euren digitalen Krempel. Da wenigste davon braucht man wirklich.

Bis nächsten Mittwoch,

 

 

 

Horkruxe*: Horkruxe sind eine Idee aus JK Rowlings Harry Potter Romanen. Ein Horkrux ist ein Gegenstand, in den ein Zauberer oder eine Hexe einen Teil ihrer Seele auslagern kann, wie auf eine externe Festplatte. Stirbt der Zauberer oder die Hexe, kann sich der Seelenteil verselbstständigen und sich einen neuen, handlungsfähigen Körper schaffen. Wäre gruselig, wenn das mit unseren digitalen Profilen passieren würde.

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