Interior Lifestyle Minimalismus

Vorsätze Fazit Februar: Minimalism Game – in 30 Tagen zur Minimalistin?

Dem aufmerksamen Leser diese Blogs wird es nicht entgangen sein: Minimalismus ist ein Thema, das mich derzeit wahnsinnig fasziniert. Das nehme ich zum Anlass, um mich auf das Minimalism Game einzulassen.

Dafür tauche ich in die Tiefen des Web 2.0 ab und strecke meine Fühler so weit wie möglich aus. Nichts gibt mir so viel Aufschluss darüber wie der Zeitgeist momentan tickt, wie das, was hartnäckig in den sozialen Medien besprochen wird. Und auch die Massenmedien sind mittlerweile auf den Zug aufgesprungen. PULS platzierte direkt 2 Beiträge dazu auf YouTube Ende Januar 2018.

Was mich aber daran so fasziniert ist, dass es sich (zumindest in der westlichen Hemnisphäre) um ein globales Thema handelt. Seit Jahren posten US-amerikanische Influencer einen Text oder ein Video nach dem nächsten: Wie man mit KonMari Sachen so organisiert, dass sie einem wieder Freude bereiten, mit der FLY-Methode das Waschbecken mal so richtig gründlich reinigt oder gleich einen ordentliche Kahlschlag vornimmt. Und das geht mit einer Methode, die sich „The Minimalism Game“ nennt.

Erfunden haben das die beiden Vorzeige-Minimalisten Joshua Fields Millburn & Ryan Nicodemus. Ursprünglich war es als eine Art Spiel zwischen zwei Menschen gedacht: wer länger durchhält, hat gewonnen. Ich beschloss aber, das Minimalism Game erstmal alleine vor mich hinzuspielen, auch weil es mir ein wenig unangenehm war, wie viel Kram so zum Vorschein kommen könnte. Das macht man dann doch lieber mit mir selbst aus. Und man selbst ist sich ja auch der größte Konkurrent, nicht wahr?

Minimalism Game: Mit 465 Sachen Richtung Leere

Und das geht so: Man wuselt sich täglich durch die Wohnung und jeden Tag entscheidet man sich für Dinge, die den eigenen Haushalt verlassen sollen. Klingt zunächst nicht sonderlich effektiv, aber das Aussortieren findet expotenziell statt. Heißt im Klartext: Am ersten Tag geht 1 Sache, am 2. Tag gehen 2, am 3. Tag 3 und so weiter und so fort, bis man am 30. Tag 30 Sachen aussortiert (der Februar ist zwar kürzer, aber man muss sich ja nicht exakt ans Monatsende halten). Macht 465 Sachen in 30 Tagen. Klingt richtig viel, oder? So viele Sachen besitze ich doch gar nicht, habe ich zunächst gedacht und bin locker an die Arbeit gegangen. Ein paar Bücher, meine Stifte aussortieren, hier und da eine Skurrilität, Dinge, die man doppelt und dreifach besitzt – da kommt man doch fix auf 465?

Eben nicht. Die erste Runde bis Monatsmitte gestaltete sich bei mir derart wie unten aufgelistet. Die Zahl hinter dem Gleichzeichen bedeutet die Anzahl aussortierter Dinge. Dabei habe ich beispielsweise ein Paar Handschuhe als 1 gewertet, wenn ich nur einen Handschuhe hatte, galt das aber auch als 1. Hätte ich das Handschuh-Paar als 2 gewertet, hätte sich das für mich merkwürdig angefühlt, aber das kann jeder so angehen, wie er es für richtig hält. Von den Erfindern des Minimalism Game war es auch so angedacht, dass man die Dinge noch am selben Tag entsorgt. Ich wollte aber unbedingt sehen, wie viel 465 Sachen sind und habe sie alle gesammelt und am Ende kategorisiert und durchgezählt. Und für euch sogar alphabetisch aufgelistet, zumindest teilweise.

Ich bin den Februar über jeden Tag durch meine Wohnung getigert und habe Sachen eingesammelt, die mich stören. Diese habe ich auf meinem Ottomanen gesammelt und immer wieder aufgeschrieben, um den Überblick zu behalten. Einige Dinge konnte ich danach sofort entsorgen. Um den 15. Februar habe ich einmal Zwischenbilanz gezogen, weil sich schon ein ordentlicher Berg Sachen angesammelt hatte. Ich war felsenfest der Ansicht, dass ich die 465 schon lange erreicht hatte, trotz eifrigen Nachzählens. Und das war mein Ergebnis:

  1. Buntstifte (viele 2 cm kurze Relikte aus meiner Studienzeit, wenigsten habe ich die zu Ende verbraucht und mit den Grundfarben kommt man eben nicht so weit) = 42
  2. Bücher/Bildbände/Diktionäre (Bücher lese ich am laufenden Band, Bilder sammle ich auf Pinterest und Wörterbücher – also dafür gibt es Duden.de und leo.org) = 32
  3. Büromaterial, das ich nicht brauche = 3
  4. Chalk = 1
  5. Chalkbeutel= 1
  6. CDs (habe ich nicht längst alles als MP3?) = 5
  7. DVDs (da behalte ich nur die Sachen, die ich nicht streamen kann und in Zukunft wieder anschauen werde) =3
  8. Füller (ernsthaft?) = 3
  9. Geodreieck = 1
  10. Gürtel = 3
  11. Hutständer (ich habe mal bei einer Hutmacherin gearbeitet) = 1
  12. Klebnotizen = 2
  13. Kullis =10
  14. Kurvenlineal = 1
  15. Koffer (ist mir bei der letzten Reise kaputt gegangen, muss also eh weg, weil irreparabel) = 1
  16. Lautsprecher Bluetooth = 1
  17. Lockenwickler (für meine kinnlangen Haare, schon klar) = 6
  18. Marker (da war ich wirklich schockiert) = 15
  19. Paar Kletterschuhe (ok, das Hobby habe ich an den Haken gehängt, außerdem kann man sich Schuhe immer, wirklich immer leihen)=1
  20. Pappmappen = 5
  21. Plastikfolien Extra = 32
  22. Schminkschwämme (nutze ich nie, ich trage meinen Primer mit den Fingern auf) = 5
  23. Schmuckstücke = 15 (Ohrringe als Paar zählen nur als 1, so wie die Handschuhe)
  24. Schmuckdose = 1
  25. Schmuckschatulle (mein Schmuck hängt aber an der Wand oder wird in Schachteln aufbewahrt. Ein klassisches Beispiel dafür, dass ich ein Ding zweckentfremdet hatte, um darin Quatsch anzusammeln)= 1
  26. Schnellhefter (entweder lagere ich meine Unterlagen digital oder in Ordnern) = 4
  27. Selbstlernkurs Fremdsprache (nie wirklich genutzt, schade eigentlich, liegt aber vermutlich daran, dass es sich um ein schlechtes Produkt handelt, sonst wäre ich wohl dabei geblieben – ja genau, Langenscheidt!) = 1
  28. Sommerkleid (selten getragen, weil der Schnitt echt doof ist)= 1
  29. Sonnenbrille (ich trage keine Sonnenbrillen und mal ganz abgesehen davon erinnert mich die Brille an eine unschöne Beziehung in meinem Leben, also bloß weg damit)= 1
  30. Handspiegel (habe ich bereits 2 in Gebrauch, diesen brauche ich also wirklich nicht, ist eh etwas angeknackst)= 1
  31. Stadtkarte (von einer Stadt, die ich nie wieder besuchen werde)= 1
  32. Stempel = 1
  33. Spardose (sogar noch aus meine Kindheit mit Pumuckl drauf) = 1
  34. Tasche = 1
  35. Tierfiguren/Aufziehfiguren = 6
  36. Washi-Tape (ich habe echt zu viel Washi-Tape) =3
  37. Wetter-Station = 1
  38. Wimpernzange (nie benutzt) = 1
  39. Versilberte Kanne (Erbstück, vielleicht finde ich einen Liebhaber dafür)= 1
  40. Sonstiges = 3

Total: 218

218? – WTF!

218 Sachen? Mehr nicht? Ich war zunächst echt schockiert. Ein riesen Haufen Kram auf meinem Ottomanen, und noch nicht einmal die Hälfte! Also noch mal los und Sachen sammeln. Hinzu kamen:

  1. Batterien= 14
  2. Schuhe= 4 Paar
  3. 2 Blumentöpfe aus Plastik= 2
  4. Metallene Dosendeckel= 3
  5. Folien= 35

= 276

Immer noch nicht sonderlich berauschend. Ich verfiel ganz leicht in Panik. Tränen füllten meine Augen. Warum war das gerade mal etwas mehr die Hälfte aller Sachen? Und wie sollte ich den ganzen Kram loswerden? Und dann sind das noch nicht mal 465 Sachen!!!

Wie haben es da nur einige Individuen geschafft, ihren gesamten Besitz auf 100 Dinge zu beschränken? Kriege ich überhaupt 465 Dinge zusammen? Bestimmt nicht… So oder ähnlich liefen meine inneren Dialoge ab. Und langsam stellten sich noch viel wichtigere Fragen…

Wo kam eigentlich dieser ganze Kram her?

Im Falle der Lineale etwa, um mal ein konkretes Beispiel auf meiner obigen Liste zu nehmen, ist die Antwort sehr einfach: So dünn lassen sich 4,5,6 Lineale hintereinander in einem schmalen Regal stapeln, ohne dass es besonders auffällt. Da ich an einer Kunsthochschule Design studiert habe, ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass ich so viele Zeichenutensilien besitze. Nur brauchen tue ich sie halt nicht mehr. Das betrifft besonders meine Stiftsammlung. Die meisten davon mag ich noch nicht mal besonders. Das fällt dann auch nicht schwer, diese loszulassen.

Viele Dinge habe ich geschenkt bekommen, aber diese Erklärung ist sowas von fadenscheinig: Ich hätte ja auch einfach „Nein“ sagen können. Auf die Frage, warum ich das bisher nicht getan habe, habe ich auch nach wie vor keine Antwort.

Man versucht sich halt immer wieder einzureden, dass es doch besser wäre, ein Ding zu behalten. Es braucht schon gute Argumente:

  • Ich: „Aber ich brauche dieses Buch über Seidenmalerei!“
  • Ich: „Echt? Wie oft hast Du dieses Buch in den letzten 3 Jahren aufgeschlagen? Wann hast Du das letzte Mal auf Seide gemalt? Wann wirst Du das nächste Mal auf Seide malen? Ist es nicht besser, sich dafür ein Video anzuschauen?“
  • Ich: „Okeeeeeeee…“

Mehr Möbel oder weniger Sachen?

Wie oft habe ich der Vergangenheit Möbel oder Einrichtungsgegenstände gekauft, um Kram besser sortieren zu können. Kram, den ich nicht wirklich gebraucht habe. Nun leeren sich meine Möbel und mein Blick ist derart geschult, dass ich manchmal durch fremde Wohnungen gehe und sehe, dass mehrere Möbelstücke nur als Container für ungenutzte Dinge dienen. Und dann steht eine kleine Kommode neben der nächsten und der darauf folgende logische Gedanke ist dann doch, dass man eine größere Wohnung braucht, nicht wahr?…

Ich habe nicht nicht genug Möbel.

Ich habe zu viele Dinge. Ich möchte nicht mehr damit beschäftigt sein, diese Dinge zu managen. Es nervt und raubt mir einen nicht unbedeutenden Teil meiner Kreativität. Also reiße ich mich zusammen und versuche, die 465 Teile des Minimalism Game zusammen zu bekommen. So ging es dann weiter:

  1. Massageballhälften = 3
  2. Putzzahnbürste =2
  3. Leere Reinigerflasche =1
  4. Putzlappen =1
  5. Staubsaugeraufsatz =1
  6. Bodylotion = 1
  7. Haaröl =1
  8. Haarfarbe =1
  9. Plastikeckel =3
  10. Schale ohne Deckel = 1
  11. Eiswürfelformen = 2
  12. Löffel für Bleigießen (schön blöd, wenn man kein Blei mehr dafür hat, was? Danke, Gesetzgeber!) =1
  13. Brett =1
  14. Einwegrasierer = 5
  15. Beutel Wäscheklammern =1
  16. Einweghandschuhe =6
  17. Silberlöffel =1
  18. Scheren =6
  19. Handschuhe = 1
  20. Kuscheldecke (weil ich ja nur 2 weitere Kuscheldecken besitze) = 1
  21. Shirts (die ich in einer Schublade „vergessen“ hatte, also kann mein Herz nicht sonderlich daran hängen) = 2
  22. Gürtel =1
  23. Paar Tanzschuhe = 1
  24. Stricknadeln = 2
  25. Geschenkband, leider hässlich = 1
  26. Gusseiserne Kerzenständer = 3
  27. Messlöffel = 1
  28. Draht = 1
  29. Haken = 1
  30. Kerzen = 2
  31. Spitze = 1
  32. Visitenkarten = 1
  33. Maßbänder = 2
  34. Haaruntesil = 1
  35. Haargummis = 2
  36. Fixativ (vor Jahren abgelaufen) =1
  37. Casinochips =3
  38. Haarnadeln = 1
  39. Fingerhut = 1
  40. Batterien = 2
  41. Bleistift = 1
  42. Kassenbuch = 1
  43. Packung Fotopapier = 1
  44. Nahrungsergänzungsmittel = 2
  45. Leere Medikamentenpackung = 1
  46. Haftnotizen = 2
  47. Postkarten = 2
  48. Sticker = 7
  49. Hefter = 4
  50. Haftnotizen = 1
  51. Schreibblock = 2
  52. Zeichnungen = 1
  53. Materialproben = 1
  54. Schreibproben = 1
  55. Postkarten = 1
  56. Stickeralbum = 1
  57. CD-Aufkleber = 1 Stapel
  58. Unterlagen Designgeschichte = 1
  59. Deko = 1
  60. Putztücher = 1
  61. Ausstellungskatalog = 1
  62. Französischbuch = 1
  63. Diplomarbeit von L = 1
  64. Sprachlernutensil = 2
  65. Bilderrahmen = 1
  66. Bücher = 6
  67. DVD = 1
  68. CD/DVD-Rohlinge = 6
  69. CD0Hüllen = 19
  70. CDs = 14

157+276= 433

Am 27. Februar zähle ich noch mal nach. Schließlich will ich das Spiel gegen mich gewinnen. Das Ergebnis: 433. ERNSTHAFT? 433? Ich bin immer noch nicht fertig? Habe ich mich etwa verzählt? Der Berg ist doch schon so groß! Hätte ich vielleicht doch jede Haarnadel einzeln zählen sollen? Ich fühle mich überfordert. Gleichzeitig schießen mir Bilder durch den Kopf, was sich wo noch alles versteckt hat und sich ganz prima auf meinem Stapel passen könnte.

Also, Runde 3, an einem Tagen ist das doch locker zu schaffen:

  1. Kletterboard =1
  2. Wandteppich =1
  3. Tüte Pailletten = 12
  4. Kette = 1
  5. Karton mit Elektrokram = 1
  6. Drucker = 1
  7. Schilder = 8
  8. Stapel Moderationskarten = 1
  9. Schachtel Reißzwecken = 1
  10. Ohrringe = 1
  11. defekter Verschluss = 1
  12. Trachtenverschlüsse = 1
  13. Tüte Knöpfe = 1

 

Das Minimalism Game ist aus – oder auch nicht

465, tadaa, geschafft. Innerlich jubilierte ich, sank auf mein Sofa, wurde kurz davon runtergezogen, dass sich in einer Zimmerecke ein Berg ungeliebter Dinge gebildet hatte und nun der größte Teil der Arbeit auf mich wartet: das Entsorgen. In welchen Ecken hatte sich dieser Krempel eigentlich versteckt? Meine Wohnung fühlt jedenfalls besser an. Leichter und heller. Mag auch an der Jahreszeit liegen, aber irgendwas ist schon anders.

Aber wirklich zufrieden bin ich noch nicht. Deshalb nehme ich mir vor, gleich eine zweite Runde anzuschließen. Mehr dazu erfährst Du Ende März in meinem nächsten Vorsätze-Fazit. Auch wird es ein Up-date bezüglich der Morgenseiten geben. Außerdem erzähle ich euch, wie man den ganzen Krempel so umweltfreundlich wie möglich entsorgt und was mir bei meinem Besitzstand einfach besonders ins Auge gefallen ist und welche Lehre ich für mich daraus gezogen habe.

Falls Du jetzt glaubst, dass es bei Dir so viel anders aussieht, kann ich Dir nur ans Herz legen, das Minimalism Game selbst auszuprobieren. Dabei kommen eine ganze Menge Dinge und Erinnerungen zutage. Mehr als einem lieb ist. Es bietet sich an, dafür ein Logbuch zu führen, um sich selbst auf die Schliche zu kommen. Es geht um mehr als um Artefakte.

Lies hier nach, was es mit Dödstädning auf sich hat.

Auf Instagram kannst Du dir ansehen, was andere so alles bei dieser Aktion losgeworden sind.

Hier findest Du mein Vorsätze-Fazit zum Thema „Wie man sich gute Gewohnheiten aneignet“.

Bis nächsten Mittwoch, dann geht es wieder um die Pflanze des Monats,