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Vorsätze-Fazit März: Minsgame, Buch schreiben und Morgenseiten

Dem aufmerksamen Leser dieses Blogs wird es nicht entgangen sein: Ich habe meine zum Jahreswechsel gefassten Vorsätze (Morgenseiten und Buch schreiben) bisher umgesetzt und sogar noch einiges darüber hinaus in Bewegung gebracht. Etwa mit dem Minsgame.

Minsgame: Das Minimalismus-Spiel und was ich daraus gelernt habe

Im Februar und März habe ich mich einen extremen Selbstexperiment unterzogen: dem Minimalimus-Spiel. Leider habe ich noch nicht alles dokumentiert, aber das kommt noch. Es dürfte aber wesentlich mehr sein als bei 2 vollen Monaten Minsgame für gewöhnlich herauskommt. Die wichtigere Frage ist allerdings: Was konnte ich dabei als Lektion fürs Leben mitnehmen?

Wie das Minimalismus-Spiel funktioniert und wie man es anwendet, um sich von sinnlosem Ballast zu befreien, kannst Du in diesem Artikel nachlesen. Welche absurden Ausmaße mein Besitz angenommen hatte, möchte ich Dir an einem Beispiel erläutern. Ich bin aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus gekommen. Vielleicht geht es Dir ja ähnlich.

Schnipp, schnapp, alte Zöpfe ab

Beim Minimalismus-Spiel habe ich insgesamt 12 Scheren in meiner 60 qm großen Wohnung gefunden. 12! Scheren! Zuerst dachte ich, es seien 11 Scheren, aber im zweiten Monat fand ich ganz weit hinten in einer Schublade Schere Nummer 12. Wer braucht 12 Scheren? Richtig: niemand. Oder jemand wie ich mit Schneiderhintergrund. Aber sogar dann ist es einfach nicht gerechtfertigt. Also habe ich 6 Scheren aussortiert und diese 6 Scheren (immer noch viel) sind übrig geblieben:

  1. 1 Nagelschere, ist schließlich eine Spezialschere, die man in unregelmäßigen Abständen immer wieder braucht.
  2. 1 Küchenschere, klar, oder?
  3. 1 Papierschere, auch klar.
  4. 1 Stoffschere, jibbs, wenn ich mal wieder etwas nähe, dann muss ich das schneiden können, keine Diskussion.
  5. 1 Nähschere, das ist eine sehr kleine Schere, mit der man beim Nähen die Nähte auftrennen oder den Faden an der Maschine abschneiden kann, darf auch bleiben, weil nicht ersetzbar durch andere Scheren.
  6. 1 Zick-Zack-Schere, aber nur aus Spaß.

Ich habe also 6 meiner Scheren weggeben können. Aber wie kam es eigentlich dazu, dass ich 12 Scheren angesammelt habe? Scheren sind ja praktisch, nicht wahr? Eine mehr oder weniger, kann man ja immer brauchen etc.pp. Das sind die Scheinargumente, die man gelernt hat, um so einen Quatsch vor sich selbst zu rechtfertigen. Dabei müssen 40-50 % der Scheren einfach weg. Die meisten Scheren habe ich noch nicht mal selbst gekauft. Auch brauchen Scheren ja nicht so viel Raum. Man kann sie in einer flachen Schublade unterbringen. Und genau da liegt der Hund begraben, unter einem Haufen Scheren…

Aus den Augen, aus dem Sinn. Oder doch nicht?

 Wenn ich etwas gelernt habe, dann das: Ungenutzte Sachen sind wie offene Rechnungen. Im Hinterkopf nehmen sie Raum ein und rauben Energie. Unbewusst weiß man das. Und verschließt dann doch wieder die Augen davor. Als ich von Zuhause ausgezogen bin, habe ich alles – und ich meine wirklich alles – mitgenommen. Waren ja mein Sachen, also war ich dafür verantwortlich. Warum sollte ich irgendetwas daheim lassen?

Dementsprechend voll waren dann auch meine ersten Wohnungen. Der Kram hat sich nämlich nicht von alleine verabschiedet. Aber mit 20 hat man einfach zu viel Energie und zu wenig Plan.

Wie viel Zeug bin ich losgeworden beim Minsgame?

Unterm Strich kamen etwa 5 Umzugskisten zustande. 5 Kisten mehr, die ich hätte schleppen müssen beim nächsten Umzug. 5 Kisten, die ich jetzt nicht mehr schleppen muss. 5 Mal weniger die Treppe runter mit müden langen Armen und brennenden Oberschenkeln, 5 Mal weniger mit schmerzenden Füßen und Kopfweh in der neuen Wohnung ankommen. Mit 30 hat man halt weniger Energie, dafür etwas mehr Plan.

Was nicht so schön ist: Ich weiß, dass ich immer noch nicht fertig bin. Aber gegen Ende dieses Monats bemerkte ich, dass mein Aufräumen weniger wurde, der Flur wieder freier, die Kisten mit den zwischengelagerten Dingen weniger. Jetzt stehen noch 3 Kartons voller Dinge in meinem Wohnzimmer, um die ich mich kümmern muss. Ich bin auch Möbel losgeworden. Eine ganze Kommode habe ich leergeräumt! Die kann nun weg und jemand anders glücklich machen.

Sammeln oder nicht sammeln, das ist hier die Frage

Eine Frage werde ich nicht los: Warum habe ich überhaupt angefangen Sachen anzuhäufen? Dafür muss ich wohl etwas weiter ausholen und einen Ausflug in die letzte Dekade meines Lebens unternehmen.

An der Kunsthochschule, an der ich mein Erststudium absolviert habe, gab es Kommilitonen, die ganz großartige Sammler waren. Ich dachte, ich müsste genauso sein, um eine gute Designerin zu werden. Teilweise mag es stimmen, dass es hilfreich ist, sich mit einigen Epochen intensiv zu beschäftigen. Toll, wenn man etwas aus der Zeit mal genauer untersuchen kann, im Internet, Museum oder aus Büchern lernt man für das Handwerk nicht genug.

Aber was dann bleibt, ist doch die (immaterielle) Information. Das Internet war – als ich mein Studium begann – nicht das, was es jetzt ist. Es gab kein Social Media, keine Blogs. Es gab die ersten Cloud-Anwendungen, aber da wir ja ein Handwerk erlernten, gab es nichts, was digitalisierbar war. Gen Ende meines Studiums kam Pinterest und damit wurde ein großer Teil meiner Zeitschriftensammlung schlicht überflüssig. Ich konnte mir so viele Pinnwände zulegen wie es brauchte und musste kein Vermögen mehr jeden Monat in bunte Heftchen investieren und Bilder Ausschneiden, diese in Bücher kleben und dort solange verwahren, wie ich meinte, dass sie nützlich sein könnten.

Man kann also eigentlich nicht sagen, dass ich keine Sammlerin mehr bin. Zehntausende von Pins auf Pinterest sind der Beweis dafür. Auch muss man sich an dieser Stelle natürlich fragen, wie gut es nun ist, wenn man so viele Daten ansammelt oder ansammeln lässt. Ohne jetzt auf die Datenschutzproblematik und Profilbildung eingehen zu wollen (das sind Themen für andere Blogs), ist es ja auch eine Frage der Hardware. Serverfarmen müssen gebaut und betrieben werden. Und was letztendlich besser ist – Digitalisierung bis zum Umfallen oder weiterhin Papier zu nutzen – konnte mir bis hierhin noch keiner wirklich sagen. Falls Du das kannst, dann hinterlasse mir doch einen Kommentar, mich würde es wirklich sehr interessieren.

Für den Einzelnen mag es vielleicht zunächst so aussehen, als ob die Digitalisierung von Dingen die nachhaltigere Lösung sei, aber das muss ja nicht stimmen. Mit steht jedenfalls noch eine lange Epoche an Digitalisierungs-Minsgame bevor.

Leben wie Diogenes

Aussortieren im Rahmen des Minimalismus-Spiels ist ambivalent. Einerseits ist es ausgesprochen effektiv. Andererseits verfällt man in eine Art Rauschzustand. Man möchte alles weggeben und nur noch die Klamotten, die man gerade am Leib trägt, behalten. Das ist verführerisch, aber Blödsinn.

Ein gewisses Maß an Dingen ist leider unerlässlich, außer wenn man ein Leben im Stile Diogenes` führen möchte. Dazu müsste man halt den ganzen Tag in einer Tonne liegen wollen. Das wäre der weniger schöne Teil, dafür könnte man den ganzen Tag über nichts anderes als das Leben selbst philosophieren. Das würde mir wiederum großen Spaß machen, zumindest die erste Zeit. Und dann würde ich mich vermutlich langweilen und nach einem Buch sehnen. Das müsste ich ja dann aber irgendwie beschaffen. Und anschließend entsorgen.

Ist Minimalismus der Alptraum des Kapitalismus?

Wenn man so extrem wie Diogenes vorgeht, ja. Wenn man alles nur durch neue Dinge in Schwarz-Weiß ersetzt, weil man den Look der Insta-Minimalisten so mag, dann ist man vermutlich des Kapitalismus liebstes Kind.

Dabei wird sehr gerne vergessen, worum es beim Minimalismus geht: Es geht nicht nur darum, sein Umfeld besser zu organisieren, es geht auch darum, Ressourcen zu schonen. Nicht nur die eigenen, meist finanziellen Ressourcen. Auch die des Planeten.

Was macht man aber, wenn man ein Ding in der Hand hält und zweifelt – behalten oder nicht? Dazu gibt es beim Minsgame eigentlich keine klare Anleitung. Bei meinen Stiften etwa, von denen ich über 40 entsorgt habe, war das so. Einige mochte ich nicht, andere waren (fast) leer, das war also einfach. Bei anderen wiederum, teuren Aquarellstifte etwa, fiel mir Entscheidung schon schwerer. Dabei hat mir eine Methode ganz besonders geholfen: die 20/20-Regel. Leider weiß ich nicht, vom wem dieses stammt.

20/20-Regel, wenn Du zweifelst

Die 20/20-Regel funktioniert wie folgt: Was innerhalb von 20 Minuten mit 20 Euro beschafft werden kann, darf gehen. Diese Regel ist so toll, weil sie sehr individuell anwendbar ist. Da ich sehr urban und zentral lebe, kann ich zum Beispiel auf einen Drucker verzichten. Der nächste Copyshop ist in Laufweite. Der nächste Schreibwarenladen auch. Drogerie sowieso. Also, unkontrolliert Vorräte anlegen, wie ich das gerne in der Vergangenheit gemacht habe, ist nicht mehr notwendig. Und was sich damit alles erledigt: Geschenkpapier, Tüten, Malmaterial, sogar Garn muss ich nicht mehr zwangsweise aufbewahren.

Wer ländlicher lebt, der hat natürlich weniger Chancen, seinen Besitz so zu reduzieren. Allerdings hat jemand, der ländlicher lebt, vermutlich auch mehr Platz und es fällt nicht so auf, dass sich so viel Kram angesammelt hat. Ob das gut ist oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Ich hoffe, dass ich dich inspirieren konnte, über deinen eigenen Besitz und den Umgang mit Ressourcen nachzudenken. Vielleicht hast du ja Lust, das Minsgame in deinen Frühjahrsputz einzubauen.

Buch 1, Buch 2 und Morgenseiten

Habe ich meine Vorsätze, ein Buch zu schreiben weiterverfolgen können? Trotz Riesenstress und schier endlos überfülltem Terminkalender kann ich voller Stolz sagen: Am 28.2. habe ich das 30.005. Wort meines ersten Buchs verfasst. 30k hatte ich mir zum Ziel gesetzt und ich konnte es kaum glaube, dass ich es wirklich geschafft habe.

Einerseits. Andererseits bin ich in diesem Monat nicht dazu gekommen, die Rohfassung weiter zu bearbeiten. Das liegt daran, dass sich Buch 2 aus meinen Morgenseiten herausgebildet hat. Womit ich dann schnell noch den dritten Punkt abhaken möchte: Ich habe seit dem 1.1.2018 jeden Tag Morgenseiten geschrieben und es war mindestens der zweitbeste, wenn nicht der beste Vorsatz, den ich jemals gefasst habe. Sporadisch sind sogar Abendseiten hinzugekommen, aber die Morgenseiten-Methode nach Julia Cameron funktioniert anders als das gewöhnliche reflektierte, dokumentarische Tagebuchschreiben.

Die Morgenseiten werden automatisch geschrieben. Das bedeutet, dass man den Stift solange bewegen muss, bis 3 Seiten gefüllt sind. Sie werden nicht gelesen, ich werfe die meisten meiner Morgenseiten sogar nach dem Schreiben weg. Wenn man sich nämlich erlaubt, alles zu schreiben, was einem in den Kopf kommt, fällt das häufig wenig positiv aus. Was du schreibst, spielt aber überhaupt keine Rolle. Es geht darum, zu schreiben bzw. kreativ zu sein. Wenn du also meinst, deine Kreativität könnte einen kleinen Push gebrauchen, dann ist die Morgenseiten-Methode (besonders in Kombination mit dem Minsgame) genau richtig.

Hier kommt du zu meinem Fazit aus Februar und hier zu meinem Fazit aus Januar.

Bis nächsten Mittwoch,