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Gib dem Tag eine Farbe: Selbstsorge für Künstler und Kreative mit 365-Tages-Projekten

Es ist nicht leicht, zwischen Brotjob oder Halbkarriere, Privatleben und was der Alltag sonst noch zu bieten hat kreativ zu bleiben. Viel zu oft holt uns die Routine ein und dreht heimlich, still und leise unserer Kreativität den Hahn zu. Wie du es schaffst, dem zu trotzen und kreativ trotz Alltag zu bleiben, ohne dass deine Muse zu sehr leiden muss, und wie du als Künstler oder kreativer Mensch richtig Selbstsorge betreibst, darum geht es in diesem Artikel.

Wer sich künstlerisch betätigt kennt dieses Problem: Es ist nie genug Zeit, um all die Ideen umzusetzen, immer kommt etwas dazwischen. Und schon fühlt man sich wie ausgehöhlt und möchte sich einfach nur noch verkriechen. Mit diesem Problem kämpfen die meisten Kreativen, die ich kenne. Es ist schwer, die Balance zwischen Stimulation und Entspannung zu halten, vor allem, wenn nebenbei noch der Lebensunterhalt auf konventionelle Weise bestritten werden muss.

Wie so viele Künstler so übe auch ich einen ganz normalen Beruf aus und habe nach meiner künstlerischen Hochschulausbildung mich bewusst dafür entschieden. Ich wollte keine Karriere in der Designbranche. Ich habe diese Entscheidung nie bereut, denn mein Beruf erlaubt es mir, sehr viel Neues zu lernen, was ansonsten an mir vorbei gezogen wäre. Dadurch habe ich ein anderes Weltbild entwickelt als meine Kommilitonen. Wie viele andere kämpfe auch ich damit, genug Freiraum in meinen Alltag einzubauen für meine eigenen Projekte, die mein Leben erst lebenswert machen.

Erfolgreiche Künstler, oder sagen wir mal so: Künstler, die von ihrer Kunst leben, verfolgen sehr oft Arbeitsroutinen. Haruki Murakami sagte einmal über das tägliche Schreiben, dass er die Routine jeden Tag über einen längeren Zeitraum (6-12 Monate) unverändert beibehielte. Dabei würde die Wiederholung selbst wichtig. Sie würde ihn dazu bringen, einen tieferen Bewusstseinszustand zu erreichen. Wie erreicht man diesen Zustand der Inspiration aber nun, wenn man einen vollen Alltag hat, in dem ausgiebige Rituale unmöglich erscheinen?

Die kleinste denkbare Idee

Manchmal ist das Leben so überfüllt mit Pflichten, dass wir einen Trick anwenden müssen, um kreativ arbeiten zu können. Wie die meisten Kreativen habe auch ich viel zu große, hochfliegende Ideen. Großformate, die ich malen und dann aufhängen möchte. Obwohl ich seit Jahren nicht größer als A4 gemalt habe. Ich bin total aus der Übung.  Man soll sich ruhig herausfordern, aber wenn man nach Jahren der Pause ein Talent wieder nutzen möchte, tut ein bisschen Übung ganz gut.

Hier kommt nun der Trick ins Spiel: Man teilt die große Idee in so viele kleine Ideen auf, dass man täglich diese kleine Ideen abarbeitet und eben nicht die eine große Sache. Wie an einer Serie. Denn auch große Einzelwerke sind aus Serien entstanden und nicht als spontaner Zufall. Die Beschäftigung mit einem einzigen Thema über einen längeren Zeitraum (also das Gegenteil von dem, was wir im Alltag erleben, in dem alles immer sofort und möglichst schnell und oberflächlich abgearbeitet werden muss) ist es, was nicht nur qualitativ hochwertige Werke hervorbringt, sondern auch die Kreativität stärkt. Die Schnelligkeit unserer VUCA-Welt ist echter künstlerischer Inspiration abträglich. Wer etwas wirklich Neues erschaffen will, der braucht Zeit und Muße.

365-Tage-Projekte: Gib dem Tag eine Farbe

Ich nenne es das 365-Tages-Projekt. Ein Beispiel: Seit Monaten denke ich darüber nach, wie eine wirklich gute Selfcare-App aussehen könnte. Da ich nur unästhetische oder primitive, wortbasierte Anwendungen gefunden habe, kam ich auf die Idee, das ganze doch mal aus künstlerischer Sicht anzugehen. Um meine große Idee zu schützen, werde ich sie hier nicht weiter ausführen. Aber um meine Idee zu testen, habe ich es mir zum Vorsatz für 2019 gemacht, jeden Abend dem Tag eine Farbe zu geben. Dazu mische ich in meinem Aquarellkasten eine Farbe, die meine Stimmung widerspiegelt und male sie auf ein Stück Papier. Dazu schreibe ich einen Einzeiler. Mehr nicht. Das Projekt ist so klein, dass ich es sogar beim größten Arbeitsaufkommen schaffe. Am Abend des 31.12.2019 werde ich dann also 365 Farbproben und ein wenig Daten in Textform haben. Genug, um ein Konzept zu verfassen und andere zu einer künstlergerechten Selbstsorge zu inspirieren. Das Material stellt die Vorarbeit dar, nach der ich entscheiden werde, ob ich daraus eine digitale Anwendung machen möchte oder ob das Potenzial nicht ausreicht.

Tipp: Es hilft ungemein, alle Dinge, die man für das 365-Tage-Projekt braucht, immer griffbereit zu haben. Meine Malsachen räume ich nicht weg, sie stehen in meinem Zimmer an einem bestimmten Ort und werden nach jedem Gebrauch gesäubert, damit ich es am nächsten Tag besonders leicht habe, mich meinem Projekt zu widmen.

Hier sind nun 7 kleinste denkbare Selbstsorgeideen für Künstler und Kreative, damit du im Alltag kreativ bleibest:

  • Morgenseiten schreiben

Wenn du meinen Blog öfters besuchst, dann kennst du die Morgenseiten schon. Du weißt vermutlich auch schon, dass ich seit dem 01. Januar  2018 jeden Morgen 3 Seiten automatisch schreibe. Du kannst die Morgenseiten für alles mögliche nutzen, auch, wenn du ein Manuskript verfassen willst.

  • Ein Haiku am Tag

Haikus sind kurze Gedichte, die oft die Umwelt zum Gegenstand haben und sich im Gegensatz zu unserer europäischen Dichtkultur nicht reimen müssen, aber in einem feststehenden Schema verfasst werden. Es geht um das Nichtgesagte, das, was zwischen den Zeilen steht.

  • Die tägliche Skizze

Zu warten, bis einen die Muse küsst und dann erst loszulegen, ist, als würde man das Pferd von hinten aufzäumen. Du musst dir angewöhnen, jeden Tag etwas für dein Talent zu tun. Skizzen können vielerlei Gestalt annehmen. Meine täglichen Skizzen zeigen immer wieder Augen und Lippen. Ich zeichne derzeit nichts anderes. Aber weil ich es täglich tue, entwickeln sich die Skizzen weiter.

  • Strichmännchen Storytelling

Noch einfacher ist es, wenn du dich auf Strichmännchen festlegst. Jeder kann Strichmännchen zeichnen. Wie wäre es, wenn du das Strichmännchen jeden Tag das machen ließest, was für dich an diesem Tag am bedeutendsten war?

  • Daily doodle/ Zentagnle/ Mandala Meditation

Wenn du so gar keine Idee hast, dann helfen immer noch Mandalas, Zentangles oder Doodles, den Geist zu beruhigen und den Alltagsstress draußen zu lassen. Es gibt genug Bücher dazu, du musst also noch nicht mal in Vorleistung gehen, und dir etwas Eigenes ausdenken.

  • 1 Foto am Tag:

Finde ein Thema, das dir fast schon banal vorkommt. Z.B. das Licht, das durch dein Schlafzimmerfenster fällt und fotografiere es täglich für eine Lichtstudie. Am Jahresende hast du eine detaillierte Sammlung und deine fotografischen Fähigkeiten ausgebaut.

  • Clutter Collage:

Sammle Dinge aus deiner direkten Umgebung und arrangiere sie zu einem Stillleben. Halte es fotografisch fest.

Viel Spaß bei der künstlerischen Selbstsorge und bis nächsten Mittwoch,

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