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Die Wahrheit über frühes Aufstehen

Es wird als der neue Produktivitäts-Hack verkauft: frühes Aufstehen. Am besten um 4 Uhr morgens. Und dann gleich loslegen mit der Morgen-Routine. Angeblich praktizieren das viele erfolgreiche Menschen so. Wie es aber wirklich ist, Frühaufsteher zu sein und ob es mehr Vor- als Nachteile hat, darum geht es in diesem Beitrag.

Im Deutschen gibt es das Sprichwort: „Morgenstund` hat Gold im Mund.“ Ein Apell an den Fleiß, nicht an die Muße. Wenn ich die Beiträge im Web 2.0 lese, muss ich immer schmunzeln. Denn ich bin im Gegensatz zu 99 Prozent meiner Mitmenschen ein echter Morgenmensch. Ich wache ganz von allein zwischen vier und sechs Uhr morgens auf. Ich schreibe drei Seiten, das mache ich seit fast eineinhalb Jahren so. Dann kümmere ich mich um meine Blogs und Social-Media-Profile. Wenn ich duschen gehe und mich fertig mache für die Arbeit, drücken andere noch die Snooze-Taste.

Aber ist es wirklich so glamourös, Frühaufsteher zu sein? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Nein. Es hat enorme Nachteile. Auch wenn dir alle Welt weiß machen will, dass frühes Aufstehen dich erfolgreicher, produktiver und zufriedener macht. Vor allem nicht, wenn man wie ich keine Wahl hat, weil die innere Uhr einfach anders tickt. Das fängt bei den Öffnungszeiten an und endet bei der Freizeitgestaltung. Hier meine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile frühen Aufstehens:

Nachteile, wenn du Frühaufsteher bist

Dein soziales Leben ist eingeschränkt

Wer früh ins Bett muss, ist meistens der erste Gast auf einer Party, der sich verabschiedet. Das bedeutet, dass man viele Gäste nicht kennenlernt. Dass man den Höhepunkt der Party versäumt. Es kann auch passieren, dass man gar nicht erst eingeladen wird. Denn in Berlin geht eigentlich nichts vor Mitternacht.

Viele Veranstaltungen erlebt man mit dicken Augen und niedrigem Energiepegel

Aus eben demselben Grund bin ich häufig die Erste, die sich auf einem Konzert die Augen reibt oder im Restaurant herzhaft gähnt. Ich war ein Mal mit einer ausgesprochenen Eule liiert – es war einfach schrecklich, für uns beide. Wenn ich energiegeladen und gut drauf war, wollte er seine Ruhe, und wenn er aufblühte am späten Abend, wollte ich einfach nur ins Bett. Eulen und Lerchen sollten sich nicht binden, aber ihre innere Uhr sorgt schon ganz allein dafür, dass eine Bindung nicht von Dauer ist.

Der Chef sieht es nicht so gerne, wenn du früh kommst und früh gehst

Dieser Punkt ist besonders ätzend. Man selbst hat schon die halbe To-do-Liste für den Tag durch, was aber sehr gerne übersehen wird, wenn der Chef erst mittags ins Büro kommt. Und selbstverständlich geht man dann auch früher. Als hätte sich die Arbeit wie von magischer Hand selbst erledigt. Da werden Chefs gerne mal ungerecht, vermutlich au Neid über den eigenen Produktivitätsmangel.

FOMO is real

FOMO, oder auch „fear of missing out“, also die Angst, etwas zu verpassen, ist keine Einbildung, sondern Realität für Frühaufsteher. Man verpasst viel, weil alle anderen sich eben gerne erst spätabends treffen, wenn man selbst schon das Licht ausknipst.

Vorteile, wenn man ein Frühaufsteher ist

Man ist früher als alle andere da

Beim Wahllokal, beim Arzt, im Supermarkt, einfach überall, wo man warten muss, zahlt es sich aus, Frühaufsteher zu sein. Man kommt schnell dran und muss sich nicht mit anderen die Beine in den Bauch stehen. Man ist auch schnell wieder draußen.

Zugtickets sind günstiger

Ich kaufe meine Bahnfahrten meist online. Dabei werden mir alle Preise zu allen Abfahrtszeiten angezeigt. Es ist sehr auffällig, dass die frühen Fahrten bedeutend günstiger sind. Außerdem sind diese Züge nicht nur einfach weniger heiß begehrt, sie sind auch meistens ruhiger. Familien mit Kindern fahren lieber am Vor- oder Nachmittag. Ich genieße die Ruhe im Zug und schreibe an meinem neuen Blogartikel.

Der Morgen gehört nur dir

Die besten Stunden meines Tags sind die nach dem Aufstehen bis ca. 11h. Alles, was ich in dieser Zeit erledige, geht mir unwahrscheinlich leicht von der Hand. Mein Geist? Messerscharf. Mein Körper? Gut durchblutet. Unterbrechungen oder Ablenkungen kenne ich in diesem Zeitfenster nicht.

Besonders angenehm ist es, wenn man sich auf eine Aufgabe sehr konzentrieren muss, und man das Büro für diesen Zweck ganz alleine hat. Dann ist es irgendwie auch wieder gut, wenn alle anderen morgens nicht aus dem Quark kommen.

Früher Vogel oder Nachteule? Zu welcher Kategorie gehörst du? Schreib es in die Kommentare oder lass deine Stimme da und bis nächsten Mittwoch