Morgenseiten schreiben

Sich neue Gewohnheiten zuzulegen sind nicht jedermanns Sache. Oft sind solche Vorhaben negativ besetzt und das Ziel ist nicht klar formuliert. „Nicht mehr rauchen“ ist etwa so ein Vorhaben, bei dem der Misserfolg vorprogrammiert ist. Wie wäre es stattdessen mit einem positiv formulierten Vorsatz, der sich positiv auf deine Lebensqualität auswirkt? Die hier vorgestellte Methode nennt sich „Morgenseiten“ und beruht auf Julia Camerons „Der Weg des Künstlers“.  In diesem Erfahrungsbericht erkläre ich dir, wie dich die Morgenseiten voranbringen können. Unten im Artikel findest du eine Gartis-Anleitung.

Zum letzten Jahreswechsel entschied ich mich dazu, ein ganzes Jahr lang jeden Morgen 3 Seiten automatisch zu schreiben. Nicht um des Schreibens willen, sondern weil ich dringend neue Impulse brauchte und meine Kreativität unter täglichen Pflichten und Problemen untergegangen zu sein schien. Ich fühlte mich ausgebrannt und unzufrieden. Mithilfe der Morgenseiten ist es mir gelungen, meinem Ideal von einem Leben als schöpferischer Mensch ein gutes Stück näher zu kommen.

1095 Seiten habe ich im letzten Jahr geschrieben, wenn man nur die Morgenseiten zählt. Blog-Beiträge, Manuskripte und Konzepte nicht miteingerechnet. Ursprünglich für Drehbuchautoren mit Schreibblockade entwickelt, eignen sich die Morgenseiten für jede Art der kreativen Blockade. Im Gegensatz zu anderen Schreibmethoden wird bei den Morgenseiten automatisch geschrieben. Automatisch bedeutet, dass du den Stift solange bewegst, bis 3 Seiten voll sind. Es geht nicht darum, zu reflektieren oder zu dokumentieren. Es geht darum, an die Gefühle und Gedanken zu gelangen, die unter der Rationalität begraben sind, sprich: Mit den Morgenseiten überlistest du deinen inneren Kritiker.

Worauf du dich bei den Morgenseiten gefasst machen musst

Deinen inneren Kritiker wird das nicht freuen. Er wird dir sagen, dass so etwas wie die Morgenseiten es überhaupt nicht wert sind, dass du Zeit darauf verwendest, du hast Wichtigeres zu tun. Das, was dein innerer Kritiker als Argumente vorträgt, sind Ansprüche der anderen an dich, die du übernommen hast. Es ist nicht egoistisch, sich um sich selbst zu kümmern und seine Fähigkeiten auszubauen. Es ist deine Pflicht dir selbst gegenüber.

Mach dich auf häufige Debatten mit deinem inneren Kritiker gefasst. Diese können sehr unschön ausfallen. Aber mit der Morgenseiten-Methode kommst du an die Wurzel des Übels. Das Einzige, was du tun musst, ist zur Arbeit erscheinen. Auch wenn es gerade überhaupt nicht passt. Ich hatte einen Morgen verschlafen und musste zu einem wichtigen Termin. In aller Eile machte ich mich fertig und verließ das Haus, meinen Block in der Tasche. Ich habe die Seiten einfach in der vollen Bahn auf dem Weg zu meinem Termin geschrieben. Da kam mir meine unordentliche Handschrift wirklich zugute, denn so konnte ich sichergehen, dass kein anderer Fahrgast mitlesen konnte.

Erwarte ein Wunder

Du siehst an diesem Beispiel, wie determiniert ich war, meinen guten Vorsatz Wirklichkeit werden zu lassen. Dadurch habe ich etwa begonnen, mich ernsthaft mit Minimalismus als Lebenskonzept auseinander zu setzen und so mehrere tausend überflüssiger Dinge aus meinem Leben entfernt. Während dieses 6-monatigen Aufräumprozesses stieß ich dann auf die Lösung meines gesundheitlichen Problems, das sich mit einer simplen Ernährungsumstellung innerhalb weniger Monate beheben ließ. Ich führe nun ein normales Leben, ich kann mich wieder schmerzfrei bewegen und genieße einen Zugewinn an Lebensqualität, wie ich es mir 12 Monate zuvor nicht hätte träumen lassen. Erwarte nicht weniger als ein kleines Wunder, wenn du dich dafür entscheidest, Morgenseiten zu schreiben und du lange genug dran bleibst.

Dazu muss noch gesagt werden, dass man sich, wie bei jeder anderen Methode auch, darauf einlassen muss. Besonders auf die weniger angenehmen Dinge, die dir und deiner Idealvorstellung deines Lebens im Weg stehen. Die Seiten sporadisch zu schreiben bringt nichts. Diese Methode eignet sich nicht für jeden. Sie ist besonders geeignet, wenn du bereit bist, dein Leben einer profunden Prüfung zu unterziehen und du bereit bist, dich von Dingen zu trennen, die dir schaden. Dazu gehört auch die Selbstsabotage, wie sie von Kreativen ja so gerne praktiziert wird.

Mach mein Quiz und finde heraus, ob die Morgenseiten die richtige Methode für dich ist:

Vorteile des täglichen Morgenseitenschreibens

  • Man braucht keine besonderen Vorkenntnisse. Alles, was du wissen musst, um zu starten, steht in diesem Artikel. Oder du liest es im Original in Camerons Buch nach.
  • Man braucht kein besonderes Material: Papier und Stift hat wohl jeder zu Hause. Man sollte die Morgenseiten, auch wenn es sehr dazu verleitet, nicht digital verfassen. Es besteht ein großer Unterschied darin, händisch mit einem Stift zu schrieben, als auf einer Tastatur. Ich behaupte sogar, dass du weiter in die Untiefen deiner Kreativität vordringen kannst, wenn du den Stift zur Hand nimmst.
  • Man trainiert das Handschreiben. Wir blicken ja fast nur noch auf Bildschirme und wischen da mit den Fingern drüber. Fingerfertigkeiten müssen trainiert werden, sonst verliert man sie. Wie einen Muskel, den man  nicht regelmäßig benutzt. Ich habe zwar immer noch eine unordentlich Handschrift, aber wenn ich mich sehr anstrenge und vor allem Zeit lasse, bekomme ich mittlerweile leserliche Texte hin.
  • Eine feste, produktive Morgen-Gewohnheit strukturiert den Tag. Morgenseiten zu schreiben ist besser, als Kaffee zu trinken oder Marmeladen-Toast zu essen. Denn die Morgenseiten gehören nur dir. Es ist Zeit, die du exklusiv mit dir und deinem Talent verbringst. Talent verpflichtet.
  • In den Morgenseiten kommen teilweise Ideen zustande, die du sonst nicht entwickelt hättest. Was könnte es schöneres geben, als den Tag mit einer Dosis Kreativität zu starten? Das Haus zu verlassen und zu wissen, dass du etwas für dein kreatives Ich getan hast, und das mit einfachen 3 handgeschriebenen Seiten. Einfacher könnte wirklich nicht sein.
  • Man verbessert die Ausdrucksfähigkeit und das Sprachvermögen. Wer möchte sich nicht klar und unmissverständlich ausdrücken können? Mal ganz abgesehen davon, dass sich dies vor allem positiv im Beruf auswirkt, kann ein größerer Sprachschatz dazu führen, deine Beziehungen zu verbessern, weil du dich besser ausdrücken kannst. Win-win in jeder Hinsicht, würde ich sagen.

Nachteile des täglichen Morgenseitenschreibens

  • Man braucht etwas Zeit: Genau 20 Minuten benötige ich jeden Morgen, um meine 3 Seiten zu verfassen. Allerdings sind diese 20 Minuten die wohl wertvollsten meines Tages. Man muss eben Prioritäten setzen.
  • Es verbraucht Papier. Sollte man auf dem Schirm haben. Zwischenzeitlich hatte ich eine Art Fixierung entwickelt und wollte nur auf bestimmtem Papier schreiben. Das war kurz nachdem ich Das Große Aufräumen beendet hatte. Mittlerweile bin ich davon wieder abgekommen, weil mein Fokus sich verschoben hat. 2 Packungen Kopierpapier sollten ausreichen, um dich zu einem neuen Menschen zu machen.
  • Wie mit allen neuen Gewohnheiten, so braucht man auch bei den Morgenseiten einen gewissen Zeitraum, in dem es sich wie eine Überwindung anfühlt, zum Stift zu greifen. Ich habe volle 3 Monate gebraucht, bis ich mir sicher war, dass ich meinen Vorsatz würde durchhalten können, komme, was wolle. In der Zeit habe ich auch nicht alleine geschrieben. Ich hatte einen Morgenseiten-Buddy, mit dem ich mich täglich ausgetauscht habe. Das hat es mir erleichtert durchzuhalten. Danach ging es wie von selbst.

Fazit

Die Morgenseiten-Methode ist meiner Erfahrung nach die beste, schnellste und günstigste Methode, um deiner Kreativität einen ordentlichen Schub zu verpassen. Sie eignet sich ebenso bei persönlichen Problemen und wenn du das Gefühl hast, dass irgendetwas nicht so rund läuft, wie du dir das vorgestellt hast.

Hier kannst du dir meine Anleitung für die Morgenseiten herunterladen.

Oder melde dich jetzt für meinen 21-Tage-Morgenseiten-Kurs an. Du erhältst jeden Abend eine kurze Mail als Reminder und mit einem Thema, das dir den Einstieg in das tägliche Schreiben erleichtern wird.

Viel Erfolg bei der täglichen Schreibarbeit und bis nächsten Mittwoch