Mein Balkongarten-Projekt

Ikigai für Gärtner

Ikigai kann nicht nur beim Suchen und Finden einer sinnstiftenden Lebensaufgabe helfen. Die meisten Gärtner empfinden das Gärtnern als überaus sinnvoll, betätigen sie sich draußen, bildschirmfrei, im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten. Was kann Ikigai da noch zu beitragen? In diesem Beitrag findest du es heraus!

2019 habe ich mich sehr intensiv mit Ikigai befasst, angeregt durch einen Workshop in der NION Base. Warum nicht auch mal meine Leidenschaft, das Balkongärtnern, mit der Ikigai-Methode näher beleuchten?

Was ist Ikigai?

Iki bedeutet Leben und gai Sinn. Dabei geht es aber nicht um die bedeutungsschwere Frage, warum wir existieren. Es geht um die demutsvolle Aufgabe, dem eigenen Leben einen Sinn zu geben und noch genauer: Einen Sinn, der im Einklang mit den eigenen Vorlieben und der Umwelt steht und womit man obendrein auch noch Geld verdienen kann.

Wie funktioniert nun Ikigai für Gärtner? Im Ikigai sollen Kategorien miteinander harmonisiert werden: die persönlichen Vorlieben, bereits vorhandene Fähigkeiten, tatsächliche Bedarfe in der Außenwelt und Wertschöpfung. Alle vier Kategorien müssen abgedeckt sein.

Man stellt sich dazu vier Fragen:

#1 Welche Pflanzen mag ich?

#2 Welche Pflanzen gedeihen bei mir?

#3 Welche Pflanzen braucht die Welt?

#4 Welche Pflanzen erbringen welchen Nutzen?

Zu Frage 1: Welche Pflanzen mag ich?

Neben Farnen sind Gräser bei mir sehr beliebt, auch weil sie so ein toller Sichtschutz sind. Sogar kleinere Arten wie das Japanische Blutgras können im Balkonkasten neugierige Blicke fernhalten. Und im Herbst steht es dann da in seiner ganzen Pracht. Ich bin weniger fürs Blümerante, denn für Halme und Wedel zu begeistern. Das muss daran liegen, dass ich ländlich aufgewachsen und als Kind stundenlang durch die Gegend getigert bin, vorbei an den weitläufigen Graslandschaften des Niederrheins. Deshalb sind Gräser und Garben bei mir sehr willkommen.

Zu Frage 2: Welche Pflanzen gedeihen bei mir?

Ich träume ja immer noch von einem verwunschenen Mondscheingarten voller filigraner Farne und mit weißen Blüten. Daraus wird aber vorerst nichts, denn mein jetziger Balkongarten bekommt die pralle Mittagssonne ab. Das halten nur manche Stauben, einige mediterrane und ausgesuchte Gräser aus. Dementsprechend eklektisch ist meine Pflanzensammlung, ein Thema ist nicht ersichtlich, ich muss mich damit anfreunden, was bei mir wächst.

Das Japanische Blutgras hingegen wuchert als ob es kein Morgen gäbe. Auch das Greiskraut hat einen ziemlichen Wachstumsschub hingelegt, aber nicht zu toppen ist nach wie vor Schafgarbe Garbie. Sie blüht noch bis nach Weihnachten, so etwas Hartgesottenes habe ich selten erlebt. Deshalb sind dies die drei bestimmenden Pflanzen in meinem Balkongarten.

Zu Frage 3: Welche Pflanzen braucht die Welt?

Aufgrund der sich ändernden Verhältnisse, sollten auch wir Balkongärtner daran denken, dass unsere Bepflanzung einen Effekt hat. Auch wir können Bienen und andere Bestäuber anlocken, auch wir können Wildvögel und manche sogar Eichhörnchen füttern. Auch wir können uns mit mehrjährigen Stauden umgeben und so nachhaltig gärtnern.

Aber jedem das seine. Wer lieber Einjährige mag, der soll sich wirklich keinen Zwang antun. Aber es tut gut, nicht nur für sich, sondern auch für andere zu gärtnern.

Zu Frage 4: Welche Pflanzen erzeugen Werte?

Die meisten stellen sich wohl vor, wie toll es wäre, Tomaten selbst zu ziehen. Aber es gibt ja noch viel mehr. Pfefferminze, Rosmarin, Salbei, Zitronenmelisse, um nur einige Kräuter und Heilpflanzen zu nennen, Lavendel, der auch noch Bienen satt macht, aber auch anderes Gemüse kann auf kleinstem Raum gezogen werden.

Du kannst aber auch Pflanzen vermehren, indem du sie teilst. Welche dafür in Betracht kommen, kannst du der einschlägigen Gartenliteratur entnehmen. Meine Garbie und das Blutgras gehören da zum Beispiel zu und ich habe schon den ein oder anderen Ableger unters Volk bringen können.

Wenn du anbaust, was Saaten ausbildet, kannst du entweder weiter für dich anbauen, dein Saatgut tauschen und so dazu beitragen, dass samenfeste Saatgute weitergegeben werden, oder eine Samenbombe bauen! Damit wird deine Umwelt noch ein bißchen grüner und nachhaltiger.

Bis nächsten Sonntag,