Blogger Blind Date: Die Macht der Bilder oder „Take on me“ von a-ha

Er ist wohl der Inbegriff der Popmusik der 1980er Jahre: „Take on me“ von a-ha, ein Song, den immer irgendein Radiosender spielt, und das seit 1985. Aber warum ist diese Song eigentlich so ein Dauerbrenner? Das fragen wir uns im heutigen Blogger Blind Date, das der liebe Björn von Gartenbaukunst für uns organisiert hat. 

Falls du die Blogger Blind Dates noch nicht kennst, kommt hier eine kurze Erklärung: Was kommt dabei heraus, wenn sich 14 BloggerInnen zu einem festlegten Song Gedanken machen und die entstandenen Beiträge zeitgleich ins Internet stellen? Unter dem Motto „Take on me“ hat jede/r von uns einen Beitrag zu dem gleichnamigen Song von a-ha geschrieben.

Wir wissen nicht, was die anderen geschrieben haben, es gab keine inhaltliche Abstimmung und wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis!

Mit dabei sind:

Beetkultur, Hauptstadtgarten, Der Hagenberg, thebohoshack, Cardamonchai, Garteninspektor, Laubenhausmädchen, Ein Stück Arbeit, Kistengrün, WirGartenkinder und Berlingarten

Viel Spaß beim Lesen!

Hier kommt meine Beitrag zum Blogger Blind Date “Take on me” on a-ha:

Drei Dinge machen diesen Song für mich zum Inbegriff der 80er Jahre:

  • Die flachen Drums gleich zu Beginn
  • Das charakteristische Didididippdippdipppdipp didi dididi didididippdippdippdipp
  • Das Falsett des Sängers im Refrain

Nicht zu unterschätzen ist auch das Video, mit dem dieser Song berühmt wurde. Es treffen Realität und Fiktion aufeinander. Woran erinnert mich das? Ach ja, an den Zustand, in dem wir seit etwas mehr als einem Jahr leben. Nur können viele heute Realität und Fiktion nur schwer auseinanderhalten.

Die fiktive Welt im A-ha-Video ist dadurch gekennzeichnet, dass sie in einem illustratorischen Animations-Stil gehalten wurde. In den letzten Jahren sieht man so etwas öfter online, wohl ein Ausdruck davon, dass die glatte, ungreifbare Oberfläche, als die sich uns das Internet präsentiert, im wahrsten Sinne des Wortes greifbar werden soll. A-ha hatten damit einen Riesenerfolg, der bis heute anhält. Aber bis es soweit war, hatten sie einen langen Weg vor sich. Aus dem düsteren Norwegen nach England und in die USA, um dort mit Warner einen Plattenvertrag auszuhandeln. Zunächst floppte „Take on me“, nicht zuletzt aufgrund des ersten Videos. 

Eine musikalische Reise in die Vergangenheit

Wir erinnern uns kurz: Musikvideos waren in der Zeit vor dem Internet ein wichtiges Kommunikationsmittel für Künstler. Ich erinnere mich noch wie in den 1990er Jahren die Musiksender an die Macht kamen und fortan Neuveröffentlichungen als Weltpremieren angekündigt und anschließend auf Heavy Rotation gesetzt wurden, um den kommerziellen Erfolg zu garantieren. Es war die Zeit, in der ich Musik im Radio auf Kassette mitgeschnitten habe und manches Tape höre ich sogar heute noch und schwelge dabei in meiner Teenie-Nostalgie.

Die Zeiten haben sich mit dem Internet geändert. MTV und VIVA gehören der Vergangenheit an. Was Musiker heute an Follower-Zahlen auf Social Media generieren hat die Einschaltquoten im TV ersetzt. Fehler – egal ob individuell oder im System – werden heute ans Tageslicht gezerrt (was gut ist) und in der Öffentlichkeit teilweise brutal diskutiert (was nicht gut ist). Damit hat auch der Begriff der Macht eine starke Umwandlung erfahren. Macht ist eigentlich etwas, was durch Unsichtbarkeit und Verschwiegenheit gewährleistet und erhalten wird. Als Korrektiv hat sich eine Kultur der Anprangerung etabliert, die ebenso schnell verebbt, wie sie aufkam. 

Ebenso substanzlos wie manche Empörung auf Twitter oder Instagram erscheint der Text von „Take on me“, der eine der ältesten Ideen der Song-Geschichte thematisiert: die unerfüllte Liebe zu einem distanzierten lyrischen Ich. Ein Ich, das nur nach großen Gefühlen sucht, aber nicht nach dauerhafter Verbindung (denn das würde ja Arbeit bedeuten). Eine junge, stürmische Verliebtheit. Passend dazu wird im Video das Thema Flucht/Eskapismus aufgegriffen: Eine junge Frau sitzt in einem Café und liest einen Comic. Sie wird von der Geschichte gefangen genommen, es verschmelzen Fiktion und Wirklichkeit.

In der fiktiven Welt begegnet sie einem jungen Mann, ein Motorradfahrer, der ein Rennen gewonnen hat. Ihr Liebesglück wird gestört durch zwei Männer, die das Paar angreifen. Ihr gelingt die Flucht zurück in die Realität (was für ein Widerspruch), er bleibt zurück und wird niedergeschlagen. Zurück im Café gerappelt sie sich, ergreift ihren Comic und als sie ihn wieder aufschlägt, versucht der Motorradfahrer, in ihre Welt zu gelangen. Sein Versuch ist erfolgreich und damit auch das Video der Band, dessen ursprüngliche Version übriges ganz anders aussah. Die Band-Mitglieder stehen in einem blauen Raum und ein Frauenschatten macht Flik-Flaks. Wenig innovativ oder unterhaltsam. Und damit auch der Grund, weshalb „Take on me“ zuerst nicht der Megaerfolg wurde, der es seit über zwei Jahrzehnten ist.

Man könnte nun meinen, dass ich den Song nicht mag. Das stimmt aber nicht. Ich habe bei Björns Umfrage dafür gestimmt, weil ich – wie die meisten anderen Teilnehmer – eine gewisse Nostalgie empfinde, wenn ich hin höre. Und da wir in eine unbestimmte Zukunft blicken, ist Nostalgie für viele die einzige Fluchtmöglichkeit. Die Hoffnung auf eine gute Zukunft scheinen viele aufgegeben zu haben. Wie schade, gerade jetzt brauchen wir sie am dringendsten. In Form eines gelungenen Narratives, welches uns bisher einfach nicht gelungen ist. Statt eine hervorragende Utopie zu spinnen, flüchten wir entweder in Retropien oder fiktive Parallelwelten. Dabei geht viel Kreativität verloren. Sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft. 

Weniger träumen, mehr umsetzen, das wünsche ich mir. Sowohl vom Einzelnen als auch von der Gesellschaft. Die Orchidee im Titelbild ist übrigens nicht zufällig gewählt. aha-Sänger Morten Harket war Mitglied einer Band vor a-ha, die den Namen Laelia anceps trug. Laelia anceps ist eine Orchideenart, die in Mexiko und Honduras beheimatet ist und duftet. Angeblich sind Orchideen die Lieblingsblumen von Harket, aber es muss nicht stimmen, was in diesem Internet alles so steht.

Falls du aber mehr über Orchideen – und wie man sich lange an ihnen erfreuen kann – wissen möchtest, habe ich hier einen Tipp für dich. Daniela Cortolezis vom Blog Garteninspektor hat ihre langjährige Erfahrung in der Haltung von Orchideen in Buchform niedergeschrieben und hier geht es zur Rezension.

Mehr Blogger Blind Dates:

Papa was a rolling stone von The Temptations

Peaches von The Presidents of the United States of America

I build a garden for us von Lenny Kravitz

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3 Kommentare

  1. Anne

    Danke für Deinen tollen Beitrag! Deine Umsetzung ist echt gelungen! Echt spannend finde ich, dass wir, was den Song angeht, einige Gemeinsamkeiten haben.

    Antworten
  2. Björn

    Ich seh uns alle im Knderzimmer sitzen mit dem Kassettenrecorder und im richtigen Augenblick die Aufnahmetaste drücken 🙂
    Notalgie trifft es echt gut. Ich habe auch für den Song gestimmt. Um so erstaunter war ich als mir dann inhaltlich sehr wenig dazu eingefallen ist als ich mit dem Schreiben begann. Es ist hier ja eher die Machart und das Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit was das Werk ausmacht. Das war mir bis vor Kurzem nicht bewusst …

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  3. Garteninspektor

    Habe gerade deinen Beitrag genüsslich verschlungen. Die treffsicheren Punktlandungen auf deiner Zeitreise machen nachdenklich, haben mich aber auch schmunzeln lassen. Jetzt sehe ich sogar den Song unter einem ganz anderen Licht:)
    Vielen lieben Dank für den spannenden Text und den Exkurs in die Welt der Orchideen!

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